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CBD bei Katzen

Dieser HEROSAN Artikel erschien ursprünglich in JUST4VETS

CBD erfährt einen regelrechten Boom – auch im Rahmen der Behandlungen unserer Vierbeiner. Was kann es wirklich, wie soll es verabreicht werden, was muss ich bei den unterschiedlichen Produkten beachten? Ist es ein Wundermittel? Sicher ist, dass CBD unseren Katzen gut tut!

CBD

Die Cannabinoide werden aus den Blüten eines Hanfgewächses gewonnen, deren THC-Konzentration
0,3% nicht übersteigt. Man spricht auch von Industriehanf, dessen Anbau legal ist, da die Blüten der Planze so gut wie kein THC aufweisen.

CBD ist eines von ca. 150 verschiedenen Cannabinoiden, wobei viele davon noch gar nicht erforscht sind. CBD ist das bisher am besten analysierteste und untersuchte Cannabinoid. THC (Tetrahydrocannabinoid) ist das Cannabinoid, das den „Rausch“ verursacht und als Marihuana oder Hasch bekannt ist.

Endocannabinoidsystem (ECS)

Jedes Individuum verfügt im Körper über ein Endo-Cannabinoides System (= körpereigen), das neben dem Opioiden-System das zweitstärkste im Körper ist.

Im ECS interagieren die im Organismus vorkommenden Cannabinoide mit den Rezeptoren. Ubiquitär im Körper befinden sich Rezeptoren, an die körpereigenes unterschiedlich – im gesamten Körper.

Kommt der Organismus durch Stress, Angst, Krankheit, Schmerz, Entzündung, etc. ins Ungleichgewicht, wird körpereigenes Cannabinoid aktiv, um den Zustand der Homöostase wieder erreichen zu können. Das bisher am besten erforschte Cannabinoid wurde „Anandamid“ genannt (von Sanskrit Ananda: Freude oder reines Glück). Die Phytocannabinoide bleiben bis zu 12 Stunden im Körper aktiv, Anandamid ist schon nach vier Stunden wieder abgebaut. Die Dauer und Intensität der physiologischen Prozesse im Körper „vom Scheitel bis zur Zehe“ werden durch die Endocannabinoide gesteuert.

Das von außen zugeführten CBD hält den Körper für einen längeren Zeitraum bis zu 12 Stunden in
Balance.

CB1-Rezeptoren befinden sich im Zentralnervensystem in Regionen, die an der Bewegungskoordination beteiligt sind, sowie in Regionen, die am Lernprozess, der Gedächtnisbildung, Wahrnehmung, dem Schmerzempfinden und auch dem Schmerzgedächtnis beteiligt sind. Im peripheren Nervensystem befinden sich Rezeptoren an den Nervenzellen und Astrozyten, den Stütz- und Schutzzellen des Nervensystems. Die Bindung von Cannabinoiden am Rezeptor führt zu einer Hemmung des Ca-Ausstromes, daher findet die Reizweiterleitung von Nervenzelle zu Nervenzelle nicht oder in geringerem Ausmaß statt, was zur Entspannung führt.

Die Aktivierung von CB1-Rezeptoren an Milz, Leukozyten, Hormon- und Speicheldrüsen, im Urogenitaltrakt und Gastrointestinaltrakt führen zu einer Freisetzung der Arachidonsäure und damit zur Synthese der Prostaglandine und Leukotriene, wodurch die Bedeutung bei entzündlichen Prozessen evident wird. Cannabinoide hemmen die Phospholipase und zeigen damit dieselbe Wirkung wie Kortison. Durch Hemmung der Cyclooxygenase haben sie auch denselben Wirkungsmechanismus wie nichtsteroidale Antiphlogistika – somit besitzt CBD eine Kortison – und NSAD-Wirkung.

Da die Cannabinoide auch in den Mitochondrien Zellen binden, ist ihr Einfluss dadurch selbsterklärend.

Ergänzend sei noch die CBD-Bindung an Serotonin-, Adenosin-, Vanilloid-Rezeptoren genannt, die damit zu einer positiven Wirkung auf mentale Stimmungen, den Schlafzyklus, den Blutdruck und das Schmerzempfinden führen. Besonders zu erwähnen ist die ergänzende Verabreichung von Tryptophan, das manchen CBD-Produkten zugesetzt ist. Tryptophan, als Vorstufe des Serotonins, ist den Katzen oft in zu geringer Menge verfügbar.

Der Tryptophan-Mangel kann die Ursache für aggressives, impulsives und gestresstes Verhalten sein. Die Substitution von Tryptophan mit CBD hat sich schon sehr bewährt.

Wissenschaft und Erfahrung

Mittlerweile sind schon zahlreiche Studien im Veterinärbereich bei Hunden publiziert. Zudem sind die
in der Praxis gewonnenen Erfahrungen immens wichtig. Bei der Anwendung von CBD bei tierischen
Patienten ist es sehr wichtig, über ausreichende Kenntnis über das endocannabinoide System zu
verfügen. Dadurch wird den TierärztInnen klar, in welchen Bereichen des Körpers bzw. des Stoffwechsels es zu positiven Wirkungen kommen kann.

Zudem wird vedeutlicht, dass bei jedem Individuum verschiedene Konzentrationen von CBD unterschiedliche Wirkungen zeigen. Anzahl und Verteilung der Rezeptoren hängt vom Alter des Tieres und seiner Individualität ab.

Wichtig ist unsere Erfahrung durch das Feedback der TierbesitzerInnen. Das ist für mich der wesentliche Aspekt für uns „PraktikerInnen“. Nur so ist es uns möglich einschätzen zu können, ob CBD in bestimmten Indikationen hilfreich sein kann. Ein Aufklärungsgespräch mit den BesitzerInnen ist wichtig und zeitintensiv. Die Verabreichung eines schulmedizinischen Präparates mit definierter
Wirkung, Nebenwirkung und genauer Dosierungsangabe ist „einfacher“ und zeitsparender.

Cannabinoide können die Schulmedizin ergänzen, bzw. auch ersetzen, aber der Weg, die Begleitung der BesitzerInnen zur richtigen Dosisfindung, bedarf einer intensiveren Aufklärung und Betreuung, bzw. setzt eine gute Compliance voraus. Das schönste an der CBDVerabreichung: CBD stört die physiologischen Vorgänge der Organsysteme nicht, vielmehr greift es regulierend ein, d.h. CBD ist nicht in der Lage, durch Verstoffwechslung die Nieren oder die Leber langfristig zu belasten.

Während einer CBD-Verabreichung können erhöhte ALP-Werte gemessen werden, die aber nach Absetzen sofort wieder sinken, was auf eine erhöhte Enzymaktivität zurückgeführt werden kann.

Verabreichungsarten

Rektale Resorption: bei hgr Erregungszuständen (Postoperativ, Epilepsie) ist die rektale Applikation der optimale Weg, um sofort (5 Minuten) eine Entspannung herbeizuführen. Verabreicht entweder in Form von Zäpfchen oder nach Aufziehen einer größeren Menge Öl direkt aus dem Fläschchen ins Rektum.

Resorption über die Maulschleimhaut: die Resorption über die Maulschleimhaut erfolgt binnen 15- 30 Minuten. Manche Tiere schlecken das Öl gerne und freiwillig, ansonsten gibt es genügend Tricks: mit Streichwurst vermischt seitlich auf die Zähne schmieren, Tropfen Sahne mit CBD gemischt
abschlecken lassen, etc.

Resorption über die Magenschleimhaut: erfolgt sehr langsam und ungenügend. Daher ist die Verabreichung von Kapseln, Leckerlis mit CBD oder mit dem Trinkwasser nicht effizient. Der gewünschte Effekt wird sich nicht oder nur ungenügend einstellen, bzw. wären viel höhere Dosen notwendig – und kostspieliger wird es dann auch!

„Nur die Kenntnis über die Funktion des Endocannabinoiden Systems ermöglicht den gezielten Einsatz und die richtige Dosisfindung. Das therapeutische Feld der Cannabinoide ist sehr groß, das können wir uns nicht entgehen lassen!“

Dr. Ulrike Marginter, Kleintierpraxis Hinterbrühl

Besonderheit der Katze

Bei der Katze muss man mit THC vorsichtig sein, daher ist ein Produkt, das 0% THC beinhaltet, vorzuziehen. Der Mangel an Glucuronosyltransferase bewirkt, dass die Katze keine Terpene abbauen kann. Diese können für sie sogar toxisch werden oder allergische Reaktionen auslösen. Daher sollte man bei der Katze auf Öle zurückgreifen, die frei von Terpenen, THC und Stoßen sind, die Katzen nicht vertragen, aber alle wertvollen Cannabinoide enthalten. Spezielle CBD-Öle für Katzen sind mittlerweile verfügbar.

Medikamente haben lange Beipacktexte mit genauer Dosierung, Wirkung und Nebenwirkungen. Das gilt für CBD-Verabreichungen nicht. Da die Anzahl der Rezeptoren im Körper unterschiedlich und die Stoffwechselinteraktionen bei jedem Individuum auch nicht vorhersehbar sind, bedarf es vor lesen, was CBD mit ihm macht und was sich verändert.“ Eine Erklärung über die vielen Effekte im Körper, die CBD auslösen können, ist unerlässlich, damit die Besitzer auch nicht so schnell aufgeben, bzw. ermutigt werden, die Dosis zu erhöhen. Falls die Dosis mal zu hoch ist, wird die Wirkung des Schlafes wahrscheinlich im Vordergrund stehen. Was aber auch je nach Indikation erwünscht sein kann.

MEERKE: Dosis bei etwa 1-3 Tropfen je nach Größe der Katze beginnen, bei jeder Gabe erhöhen, bis das Tier merklich müde wird. „Beobachten Sie ihr Tier, was sich verändert!“

Indikationen

CBD ist ein Naturprodukt ohne pharmazeutische Zulassung. Es gibt kein Heilversprechen, aber es kann helfen! Nachfolgend werden auszugsweise einige Indikationen genannt – im Prinzip gibt es aber keine Kontraindikation!

Das alte Tier: CBD unterstützt zu den kommerziellen Arzneimitteln, die Muskeln zu entspannen, ist appetitsteigernd und hilft, die kognitive Funktion zu verbessern. KatzenbesitzerInnen sind so erstaunt, wie aktiv und verspielt ihre alte Katze wieder ist. (Alle dachten, die schläft den ganzen Tag, weil sie so alt ist.)

Die Studie “The Positive Behavioral Impact of CBD-containing Nutraceutical Formulation on Privately-Owned Dogs” hat auch Verhaltensweisen wie übermäßiges Kratzen, Probleme mit dem Futter oder dem Appetit und Trennungsangst bewertet. Jedes bewertete Verhalten verbesserte sich während des 14-tägigen Behandlungszeitraums. Verhaltensweisen wie Verspieltheit und Gelassenheit nahmen nach der 14-tägigen Behandlungszeit ebenfalls zu, wenn auch ohne den gleichen Grad an statistischer Signifikanz wie bei den negativen Verhaltensweisen, somit kann man CBD bei Verhaltensauffälligkeiten wohlwollend unterstützend anwenden.

Aus meinen Erfahrungswerten und den zugehörigen Studien habe ich festgestellt, dass CBD bei psychogenen Fellbeißen, Blasenthematiken, Harnmarkieren bei der Katze sehr gut unterstützend angewendet werden kann.

Autofahrten ins Wochenendhaus, verletzungsbedingter verordneter „Hausarrest“ stellt Katze und den BesitzerInnen vor Herausforderungen. Gewöhnung an den Halskragen oder Body nach OP’s. Übersiedelungen, Mehrkatzenhaushalte, neue menschliche Mitbewohner etc. hier kann CBD sehr gut unterstützen, aus meinen Erfahrungswerten in der Praxis.

Epilepsie: Die folgende Studie hat mich auf das Thema der Epilepsie aufmerksam gemacht, ich habe mich daraufhin mit Kollegen aus der Praxis und Wissenschaft ausgetauscht: „Randomized blinded controlled clinical trial to assess the effect of oral cannabidiol administration in addition to conventional antiepileptic treatment on seizure frequency in dogs with intractable idiopathic epilepsy“ aus dem Jahr 2019. Die Anfallshäufigkeit kann abnehmen, die Anfälle können kürzer werden und die Intensität kann abnehmen, hierfür ist die Dosierung allerdings sehr individuell und muss durch eine genaue Untersuchung eingestellt werden, um unterstützend angewendet werden zu können. Meist wird CBD gemeinsam mit der Schulmedizin kombiniert. Bitte keine Eigenversuche bei Erkrankungen deines Wegbegleiters, gehe bitte zum Tierarzt deines Vertrauens, sowie es meine Patienten tun.

Nach einer OP: Wir kennen unerwünschte Erregungszustände nach dem Aufwachen aus der Narkose: Ideal sind hier hohe CBD Gaben (rektal), da eine ruhige Entspannung rasch eintritt.

Unerwünschte Wirkungen

Mitunter kann bei manchen Patienten die ersten Tage eine vermehrte Defäkation bis zu cremigem Kot auftreten. In den meisten Fällen dauert dieser Zustand nicht länger als drei Tage an. Eine vorübergehende Dosisreduktion könnte helfen.

Take Home Message

Nach 4-jähriger Erfahrung mit dem Einsatz von CBD bei unseren Patienten habe ich schon oft gestaunt, was es alles kann und wo es hilft. Ich kann nur alle TierätzInnen ermutigen, CBD anzuwenden. Mittlerweile verlangen immer mehr TierbesitzerInnen danach, daher ist es mir ein Anliegen, meine KollegInnen zu animieren und zu informieren. Nur die Kenntnis über die Funktion des Endocannabinoiden Systems ermöglicht den gezielten Einsatz und die richtige Dosisfindung.

Das therapeutische Feld der Cannabinoide ist sehr groß!